Die neue Leichtigkeit des Spans

19. Oktober 2008 - 21:54 Uhr

RHEINPFALZ - GERMERSHEIM/LUDWIGSHAFEN: BASF und Nolte Holzwerkstoff entwickeln gemeinsam eine Spanplatte, die in der Südpfalz produziert wird. Da die „AirMaxx” 30 Prozent leichter ist als herkömmliche Spanplatten, lassen sich nicht nur Transportkosten sparen.

Wie soll man das Gewicht einer Spanplatte um etwa 30 Prozent reduzieren, wenn deren technische Eigenschaften, sprich Belastbarkeit und Bearbeitungsqualität annähernd gleich bleiben sollen? Im Fall der von der BASF AG und der Nolte Holzwerkstoff GmbH & Co. KG gemeinsam neu entwickelten „Airmaxx” könnte man annehmen, dass der Luftanteil maximiert wird.

Es ist so ähnlich: Laut Nolte-Holzwerkstoff-Geschäftsführer Michael Timinger werden pro Kubikmeter Spanplatte rund 250 Kilogramm Holz durch Styropor ergänzt; die Menge ist Produktionsgeheimnis. Produziert wird die neue und laut Timinger einzigartige „AirMaxx”, die wegen des Styroporanteils keine Spanplatte im klassischen Sinn mehr ist, sondern ein Holzwerkstoff, in Germersheim. Die Umsetzung der Idee begann 2006. Vor etwa einem Jahr starteten die ersten Versuche der industriellen Produktion, die seit April dieses Jahres stabil läuft. Timinger beziffert die Entwicklungskosten für BASF und Nolte auf 500.000 bis 750.000 Euro.

Obwohl es noch nicht lange auf dem Markt ist und die Werbung erst jetzt anläuft, ist das Interesse an dem neuen Produkt schon groß. Timinger nennt Möbelindustrie, Innenausbaufirmen, auch aus dem Sektor Caravanbau, und Küchenhersteller.

Leichtigkeit ist generell ein Thema, insbesondere in der Mitnahmemöbelbranche; das Gewicht der Möbelpakete soll begrenzt werden. Deshalb könnten Möbelstücke statt wie bisher in einem künftig in zwei Paketen verpackt werden, was mehr Verpackungsmaterial erfordert und die Kosten steigert. Da macht sich eine Gewichtsreduzierung um 30 Prozent schon bemerkbar, sagt Timinger und verweist dabei auch auf geringere Transportkosten, was angesichts der gestiegenen Spritkosten deutlich zu Buche schlage.

Laut Timinger werden in Europa pro Jahr rund 14 Millionen Kubikmeter Spanplatten verkauft und fünf Millionen in Deutschland. Den potenziellen Zuwachs bei leichten Platten sieht der Holzfachmann bei fünf Millionen Kubikmeter in Europa und einer Million in Deutschland. Nolte Holzwerkstoff produziert in seinem Werk in Germersheim pro Jahr maximal 500.000 Kubikmeter Spanplatten, wovon rund 50 Prozent an die Nolte-Gruppe verkauft werden; der Rest geht an Fremdfirmen, wobei die für den Mitnahmemöbelmarkt Ikea tätigen Hersteller die größte Kundengruppe stellen.

Mittelfristig sollen in Germersheim jährlich bis zu 200.000 Kubikmeter der leichten Platten gefertigt werden. Die Gesamtkapazität kann laut Timinger um bis zu zehn Prozent gesteigert werden. Ob und wann dies geschieht, ist noch unklar. Denkbar ist aber, dass bereits 2010/2011 die Kapazität erweitert wird, sagt Timinger.

Da die Produktion der leichten Platten aufwendiger ist als die der herkömmlichen, sinkt die Produktivität um etwa zehn Prozent. Dass die Zahl der rund 200 Mitarbeiter, davon zwei Drittel Arbeiter, deshalb steigen wird, glaubt Timinger nicht. Nach seinen Angaben liegt der Preis für die „AirMaxx” je nach Stärke zwischen sieben und zehn Euro pro Kubikmeter über dem für eine herkömmliche Spanplatte. Angesichts geringerer Kosten für Logistik und Handhabung könnten die Kunden den Mehrpreis sehr schnell wieder hereinholen.

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